Effekte des Intervallfastens auf Diabetes und (chronische) Entzündungen

Das Intervallfasten und der Typ-2-Diabetes

Das Intermittierende Fasten, wie das Intervallfasten auch genannt wird, hat viele gesundheitliche Vorteile. So soll es neben dem Effekt des Abnehmens auch einen positiven Einfluss auf Bauchspeicheldrüse und Leber ausüben und sich so günstig auf eine Fettleber und Diabetes mellitus auswirken können. Doch wie kommt es zu einem Typ-2-Diabetes?


Insulinmüde Zellen

Anders als beim Typ-1-Diabetes, einer Autoimmunerkrankung, bei der die Beta-Zellen vom körpereigenen Immunsystem angegriffen und zerstört werden, liegt einem Typ-2-Diabetes neben einer überarbeiteten Bauchspeicheldrüse ebenso eine Insulinresistenz zugrunde.
Bei einer sehr kohlenhydratreichen Ernährung muss die Bauchspeicheldrüse ständig mehr Insulin produzieren, was auf die Dauer zur Erschöpfung dieses Organs führt. Reagieren dann die Zellen immer weniger auf das Insulin, muss die Bauchspeicheldrüse immer mehr arbeiten, ohne dass es dadurch zu einem Ausweg aus diesem Dilemma kommt.



Ohne Insulin keine Energie für die Zellen

Die Zellen sind jedoch auf die Hilfe des Insulins angewiesen. Denn sie benötigen dringend Energie in Form von Zucker, zu dem die Kohlenhydrate abgebaut werden. Das Insulin ist der Schlüssel, der die Zelle öffnet, damit sie den Zucker aufnehmen kann. Funktioniert dieser Mechanismus nicht, verbleibt der Zucker im Blut mit all seinen schädlichen Folgen und die Zelle geht leer aus. Zusätzlich kann auch eine Verfettung der Bauchspeicheldrüse, die Studien an Mäusen zufolge meist genetisch bedingt ist, ebenso zum Gesamterkrankungsbild beitragen. Ist der Blutzucker dauerhaft erhöht, da die Bauchspeicheldrüse durch die ständige Überforderung kaum noch Insulin produziert, da die Zellen trotzdem verschlossen bleiben, spricht man von einem manifesten Typ-2-Diabetes.




Weniger Fetteinlagerungen durch Intervallfasten

Hierbei soll das Intervallfasten hilfreich eingreifen können. Denn im Tierversuch mit genetisch vorbelasteten Mäusen wurde beobachtet, dass es zu einer beständigen Gewichts- und Fettzunahme der Mäuse kam, wenn sie unkontrolliert fressen konnten. Bei genetisch ebenso vorbelasteten und übergewichtigen Mäusen jedoch, die nur alle zwei Tage gefüttert wurden, kam es zu keiner Verfettung der Bauchspeicheldrüse.
Da eine krankhafte Fetteinlagerung aber mit einer erhöhten Insulinproduktion in Zusammenhang steht, dient alles, was diese Verfettung reduziert oder verhindert, der Gesundheit der Bauchspeicheldrüse und kann womöglich sogar das Risiko der Entstehung eines Typ-2-Diabetes verringern.




Den Teufelskreis durchbrechen

Auch wenn bislang nicht alle vor Diabetes schützenden Faktoren des Intervallfastens ergründet sind, ist dies ein mehr als interessanter Ansatz.
Denn hier wird der Teufelskreislauf beim Diabetes regelrecht durchbrochen. Es kommt zu einer Erholung von Bauchspeicheldrüse und Zellen. Die Zellen werden wieder sensibler und das Insulin wirkt stärker. Daraufhin muss die Bauchspeicheldrüse weniger Insulin produzieren und kann sich regenerieren. Professor Dr. Andreas Michalsen (Immanuel Krankenhaus in Berlin) zufolge belegten Studien an übergewichtigen Typ-2-Diabetes-Patienten, dass Fasten bereits nach einer Woche eine signifikante Blutzuckerregulation zur Folge haben kann.



Besser als eine Diät

Eine im Journal of the American Medical Association veröffentlichte Studie untersuchte, wie sich das Intervallfasten bei an Typ-2-Diabetes erkrankten Patienten im Vergleich zu einer kalorienreduzierten Diät auswirkt. Das Ergebnis zeigte, dass das Intervallfasten neben einer drastischen Gewichtsabnahme auch zu einer signifikanten Verbesserung des HbA1c-Wertes beitrug. Dieser für Diabetiker aussagekräftige Langzeitwert zeigt den Schwergrad der Verzuckerung des Hämoglobins an und wird alle 3 Monate kontrolliert. Ganze 0,3 Prozent sank dieser Wert in Folge des Intervallfastens innerhalb besagter Studie, die an der Universitiy of South Australia durchgeführt wurde.
Bei einer weiteren Studie kam es sogar zu einer Verbesserung des Wertes um o,6 Prozent. Selbstverständlich ist es ratsam, als bereits insulinpflichtiger Typ-2-Diabetiker die Neueinstellung des Insulins mit dem Arzt gemeinsam zu besprechen. Bei einem genetisch vorbelasteten Menschen, der jedoch noch nicht an einem manifesten Typ-2-Diabetes leidet, kann das Intervallfasten also Studien zufolge als Präventivmaßnahme in den Alltag intergiert werden.



Entzündungen als Folge einer gesteigerten Insulinproduktion

Unter anderem kann eine ständig erhöhte Insulinproduktion auch für das Entstehen von Entzündungen verantwortlich sein. Gerade das häufige, über den Tag verteilte Essen von raffiniertem Zucker und Weißmehl sorgt für eine ständige Insulinausschüttung. Der erhöhte Insulinspiegel geht mit einer Reduktion der Fettverbrennung einher. Überschüssige Energie wird zudem in Fettreserven umgewandelt. Hinzu kommt, dass der erhöhte Insulinspiegel zahlreiche Entzündungen fördert, die wiederum das Entstehen etlicher Folgeerkrankungen begünstigen können.




Wie kann Intervallfasten bei Entzündungen helfen?


Bei einem längeren Verzicht auf Nahrung kommt es zu einer Umstellung des Stoffwechsels. Beim Intervallfasten werden bereits nach etwa 13 Stunden Fasten überflüssige und kranke Zellen abgebaut. Fettzellen werden umgewandelt und über den Umweg der Ketose zur Energiegewinnung genutzt. Insulin wird nur innerhalb der reduzierten Essenszeiten benötigt.


Es gibt bereits seit einiger Zeit Hinweise darauf, dass Fasten nicht nur zu einer Stoffwechselumstellung führt, sondern auch entzündliche Prozesse positiv beeinflusst. Dies gilt nicht nur für das bekannte Heilfasten, sondern ebenso für das Intervallfasten. Mittlerweile weiß man, dass es auch beim Intervallfasten zu einer erhöhten Ketonbildung im Blut kommt. Denn hier werden ebenso freie Fettsäuren in Ketone umgewandelt und für die Energieversorgung genutzt. Diese Umstellung auf alternative Energiequellen ermöglicht es den Menschen bereits seit Urzeiten, auch längere Hungerperioden unbeschadet zu überstehen. Die Wirkung des Fastens auf Entzündungen wurde vor einiger Zeit durch Prof. Vishwa Deep Dixit (Yale School of Medicine) untersucht. Er entdeckte, dass Ketonkörper nicht nur als Energiequelle dienen, sondern zudem auch eine regulierende Funktion auf das Immunsystem ausüben können. So soll es durch Ketone zu einer beruhigenden Wirkung auf das Inflammasom kommen. Als Inflammasom werden körpereigene Proteinkomplexe bezeichnet, mit deren Hilfe ein Entzündungsprozess in Gang gesetzt wird. Eine Entzündung dient erst einmal dem Schutz des Körpers gegen Eindringlinge und Verletzungen. Doch kommt es zu einem chronischen Entzündungsprozess, kann dies nicht nur die Lebensqualität beeinträchtigen, sondern weitreichende Folgen haben. So werden zahlreiche schwere Erkrankungen durch chronische Entzündungen verursacht. Ketonkörper können also immunmodulierend auf dieses Geschehen einwirken.




Die Wirkung der Ketone auf Entzündungen

In Dixits Studie, die sowohl an isolierten menschlichen Makrophagen als auch an Mäusen mit einer Disposition für Entzündungen durchgeführt wurde, untersuchte er die Wirkung der Ketone auf Entzündungsprozesse. Es wurde belegt, dass eine ketonreiche Diät die Entzündungswerte signifikant senken kann.
Laut Dixit könnte durch eine Erhöhung der Ketone, wie dies beim Fasten und auch Intervallfasten der Fall ist, Entzündungsprozesse erheblich gemindert werden. Nach wieviel Stunden Nahrungsentzug dieser positive Effekt beginnt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Neuere Studien zeigen jedoch deutlich, dass es auch beim Intervallfasten zu antientzündlichen Prozessen im Organismus kommt.